Dienstags 22:00 bis 23:00 Uhr auf Radio X Frankfurt 91,8 FM

Radioshow - seit 1997 • Livestream: www.radiox.de/live

News, talk: www.facebook.com/vanilleclub

SPECIAL ANLÄSSLICH DER FLUXUS-GRÜNDUNG VOR 50 JAHREN: DER FLUXUS UND DER VANILLECLUB (Radio X-Programmheft 4/2012)


Der Fluxus

Die Kunstrichtung Fluxus, 1961 in New York von George Maciunas begründet, etablierte sich mit der Uraufführung der "FLUXUS: Wiesbadener Festspiele Neuester Musik" ein Jahr später auch in Deutschland. Auf der Bühne rasierte man sich die Haare, hantierte eine Weile mit Butter und Eiern, zerlegte z.B. einen Konzertflügel und kreischte laut rum. Joseph Beuys, Nam June Paik, Ben Patterson und Wolf Vostell zählen zu den bekanntesten Teilnehmern der offenen Gruppe. 2012 feiert die Stadt Wiesbaden das 50jährige Jubiläum mit Ausstellungen und Aktionen an diversen Orten. (Infos unter www.wiesbaden.de/kultur) "Das Wichtigste an Fluxus ist, dass niemand weiß, was es ist. Es soll wenigstens etwas geben, das die Experten nicht verstehen. Ich sehe Fluxus, wo ich auch hingehe" (Robert Watts). Die dem Fluxus zugewandten Künstlerinnen und Künstler wollten keine feste Definition. Fluxus sollte eine offene Kunstform bleiben; ein Prozess, im dem Tanz, Theater, Film, Musik, Rezitation, Pantomime, Aktion und Elemente bildender Kunst immer wieder neue Verbindungen eingehen. Macunias gab den Ton vor: 

"Fluxus-Amusement soll einfach, unterhaltend und anspruchslos sein, sich mit Belanglosigkeiten beschäftigen, weder besondere Fähigkeiten noch zahllose Proben erfordern, weder handelbar noch institutionalisierbar sein… es strebt einfache Strukturen und untheatralische Qualitäten in einfachen, natürlichen Vorgängen als Spiel an". 


Radio muss wach sein - oder wenigstens offensiv schläfrig

1988, in der Anfangszeit von Radio X, damals als zehntägiges Kunstradio aus dem Bauwagen vor dem damaligen Portikus sendend, lernten wir als Sendungsmacher den Radiokünstler und "Buchhalter des Fluxus" Willem de Ridder kennen. De Ridder war einer der Macher von Radio Rabotnik, einem anarchischen Piratensender in Amsterdam. Er überzeugte uns, unser geplantes Hörspiel nicht nach Drehbuch, sondern eher wie ein Ballspiel, auf jeden Fall spontan, aufzuführen: 

"Das ganze Leben ist Vorbereitung genug. Entscheidend ist, daß ihr euch im Moment der Aufführung gut konzentriert, eure ganzen Erfahrungen, eure Persönlichkeit abruft. Vorgekautes ist doch langweilig." 

Bevor Radio X dauerhaft auf Sendung ging, gab es 1997 dann noch RadioXperience, diesmal mit Bart Schut von Radio Patapoe als Gast, ebenfalls aus Amsterdam. Er wendete sich vehement gegen das Sponsoring von Medien durch Wirtschaft und Werbung und fordert ein autonomes, von den Hörern unabhängiges Radio.


Der Vanilleclub

"Der Vanilleclub ist die Fortsetzung des Radios mit anderen Mitteln" (Max Schumacher) 

September 2017: Der Vanilleclub, formely known as 500 Billion Dots Club, wird 20 Jahre alt. Ein experimentelles Radioprogramm mit Musik und Liveshows. Es duftet noch und schmeckt auch. Immer wieder Dienstags, von 22 bis 23 Uhr. Heute ist es viel leichter, Aromaradio zu machen. Das Studio ist cooler. Der Sound ist laut und frisch. Die Radiomacher und ihre Gäste werden immer jünger. Sogar die faulen Hörer rufen jetzt an, reden und spielen ihren Quatsch durchs Telefon. Wir lehnen uns zurück & atmen  lauschen...


Was wäre der Vanilleclub ohne die Niederländer...

Es ist toll, unabhängig von den Hörern zu sein. Es ist schön, Radio zu spielen, anstrengend zu sein, Fehler machen zu dürfen. Wir sind so frei. Wenn niemand anruft, gibt es Sendelöcher.


Wie wäre der Vanilleclub ohne seine Anrufer?



Literatur:


Geert Lovink: Hör zu - oder stirb!

Fragmente einer Theorie der souveränen Medien

Edition ID-Archiv, Berlin-Amsterdam 1992, ISBN 3-89408-402-2


Neil Strauss / Dave Mandl: Radiotext(e)

Semiotext(e) #16 Vol. VI, 1993;

522 Philosophy Hall, Columbia University, New York, NY 10027 USA,

ISBN 0-936756-94-2


Peter Kiefer (Hrsg.): Klangräume der Kunst

Kehrer Verlag Heidelberg 2010

ISBN 978-3-936636-80-2

www.kehrerverlag.com


Willem de Ridder Kunst & Radio:

www.ridderradio.com

www.willemderidder.com


Bernie Krause: Das große Orchester der Tiere. Vom Ursprung der Musik in der Natur

Verlag Antje Kunstmann, München 2013

(Klangbeispiele auf Bernie Krauses Youtube-Channel)


Video  - Documenta 14, 2017:

"When the elephants fight, its the frogs that suffer" von 

Benjamin Patterson (2016-17)